Bericht in der Yacht 2/96 vom 17.01.1996

Hoch das Bein und raus auf dem Klappstuhl


Der Fighter mit dem Trimmsitz ist eine Vielzweckwaffe.
Auf Regatten wird er mit Vorschoter oder einhand gesegelt,
und später darf auch die ganze Familie an Bord klettern.

Gerhard Porzig voller Konzentration in der Fighter optimale Krängungslage
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Erst wenn der Leekiel senkrecht steht, läuft ein Fighter.
Also: hoch das Bein

 

Vor Regatten auf dem Altmühlsee erkennt Günther Baumgärtner gelegentlich Probleme von ganzheitlicher Brisanz. Der erste Vorsitzende der Fighter-Klassenvereinigung sagt dann Sätze wie: "Es gibt keine Idealisten mehr, die sich für andere Segler die Zeit nehmen, um Regatten zu organisieren!"
Die eigentliche Botschaft steckt zwischen den Zeilen: Der Mann ist einfach sauer. Zum einen, weil er sich auf seinem Hausrevier immer gleich doppelt mit den Tücken der Organisation herumschlagen darf. Bei Fighter-Regatten auf dem Fränkischen Stausee ist Baumgärtner nämlich nicht nur als Klassenobmann, sondern auch als Vize der Wassersportgemeinschaft Altmühl-Brombachsee (WAB), wo die Klassengemeinschaft ihren Sitz hat, bürokratisch gefordert.
Zum anderen, weil er deshalb mt seinem Boot wieder mal als letzter zur Startlinie hetzen muß. Da fühlt sich der umtriebige Fighter-Enthusiast von seinen Klassenkamaraden schon mal richtig im Stich gelassen. So wie heute, am ersten Tag der Ansbacher Kanne.
Dabei hätte Günther Baumgärtner gerade diesmal allen Grund, auf seine Truppe stolz zu sein. Von den insgesamt 98 Verbandsmitgliedern sind immerhin 28 dabei. So viele Fighter auf einen Haufen gab es noch nie.
"Alles eine Frage der Motivation", meint WAB-Vereinskollege Jürgen Gollmick morgens beim slippen. Der darf das sagen. Schließlich war er es, der - ganz Idealist - die Fighter-Gemeinde in wochenlanger Überzeugungsarbeit auf die Veranstaltung eingeschworen hat.
Das Gros der Szene ist nicht gerade berüchtigt für aufopferndes Regattaengagement. Doch was soll man machen, wenn die weitaus meisten Fighter-Eigner Geburtstage deutlich jenseits der 30 feiern, mitten im Berufsleben stehen, gern auch mal mit der Familie segeln und die müde Konjunktur die Sache auch nicht leichter macht. "Vor fünf Jahren war das anders", erinnert sich Helmut Laukart, Vorsitzender der WAB, an bessere Zeiten. "Heute arbeiten alle mehr, da bleibt dann für unsere Leute wenig Zeit zum Segeln."
Wenn es auch an Zeit mangelt, an echter Begeisterung für das Einmann-Kielboot fehlt es bei keinem. "Der Fighter ist schnell, wendig, einfach zu segeln, kommt wegen seiner knapp 60 Zentimeter Tiefgang fast überall hin und hat Platz für vier", faßt Hermann Kückner aus Passau, bis 1994 im FD zu Hause, die Vorzüge des Bootes zusammen.
Fast alle sind wie Kückner ehemalige Jollensegler und teilen eine gemeinsame Erfahrung: "Endlich keine Vorschoterprobleme mehr!" Die haben, da ist man sich kollektiv einig, nämlich nie Zeit, sind laufend krank oder unbekannt verzogen.

Vorschoter, nein danke. Man kämpft lieber allein

Großes Klassentreffen auf dem Altmühlsee. Obwohl auch zweihand gesegelt werden darf, startet ein Großteil aller Fighter-Spezialisten lieber allein.

Das leidige Vorschoterproblem vieler Ex-Jollensegler verbindet die Kämpfer dieser Kimmkielerklasse. Bei Wind verzichtet mancher auf einen Trimmakt mit dem Klappsitz und macht es sich trotz heftiger Schräglage lieber auf dem Deck bequem.

Fighter Regatta am Altmühlsee

Aber der Fighter ist ein Kimmkieler, auf den kann man nicht einfach so umsteigen! Der läuft erst dann gut, wenn die Lee-Kielflosse senkrecht steht. Mit anderen Worten, man sitzt bei Schwachwind in Lee und hilft kräftig mit, damit der Kiel an der Luvseite aus dem Wasser kommt. Also nicht unbedingt das Einsteigerboot, eher ein dynamisches Mehrzweckgerät für Leute mit ernsthaften Regattaambitionen (und Vorschotertrauma), die zugleich ganz normal mit Familie und Freunden unterwegs sein wollen. Segelfertig bringt ein Fighter 500 Kilo auf die Waage, gut die Hälfte davon (260 Kilogramm) steckt in beiden asymmetrischen Kimmkielflossen.
Die Kosten für die Standardversion liegen bei knapp 27000 Mark (inklusive Großsegel und Selbstwende-Rollfock). Zusatzausrüstung (unter anderem Gennaker, Spi, zwei Kompasse, Motorhalterung mit Lift, Persenning) schlägt mit 1000 Mark zu Buche. Der Fighter-Slip-Trailer kostet dann noch mal 2700 Mark.
Schon am ersten Tag der Ansbacher Kanne zeigt es sich, daß von der 28 Teilnehmern 5 so etwas wie den harten Kern der Fighter-Szene bilden. Die Lücke zwischen Ihnen und den anderen ist kaum zu übersehen, das ändert sich auch bei den beiden Wettfahrten am nächsten Tag nicht. Dabei unangefochten ganz vorn die ewigen Duellanten Günter Baumgärtner (der dann doch immer noch rechtzeitig an der Startlinie auftaucht) und sein WAB-Vereinskumpel Helmut Peter. Der Stich geht diesmal an Baumgärtner, Peter hatte sich auf den letzten Halsenschlägen vor dem Wind taktisch verrechnet.
Gewöhnungsbedürftig ist der Anblick einiger Fighter-Segler auf ihren drehbar befestigten Trimmsitzen. Die Klappsitze können in Deck versenkt werden. Bei Windstärken über 3 Beaufort sollen sie das Trapez ersetzen, dessen Verwendung im Einsatz als Einmann-Kielboot aber verboten ist. Aber selbst der bequeme Klappsitz ist für Oskar Wahnschafft so eine Sache. Der langjährige Vorsitzende der WAB ist mit seinen 71 Jahren dienstältester Teilnehmer, und dem geht am zweiten Tag bei Windstärken um 4 Beaufort ganz einfach die Muffe. Er sitzt lieber mit dem Hintern auf dem Deck. "Wer sagt mir denn, daß ich aus dem Hocker wieder rauskomme?"
Am Abend bei der Jahreshauptversamlung der Klassenvereinigung geht es dann neben Preisverleihung, Erfahrungsaustausch und Politik vor allem um ein Thema: die Anerkennung als Eintyp-Klasse. Da muß Günther Baumgärtner doch mal energisch werden, schließlich hätten seine 98 Mitglieder die Sache schon längst abhaken können.

Ganze 40 Mitglieder haben ihre Formulare über eine Mitgliedschaft im DSV abgeschickt. Das ist gerade mal die Hälfte von den 80, die für die Anerkennung erforderlich sind "Keine Zeit, vergessen...., das dürften wirklich keine Gründe sein, das Papier nicht abzuschicken!" poltert der Vorsitzende sichtlich enttäuscht.
Dafür geht es dann zu vorgerückter Stunde um so heftiger darum, wann und wo die Regatten im nächsten Jahr stattfinden sollen. Altmühlsee als Hauptquartier ist klar, Chiemsee ebenso. Bei Müritz, Plöner See, Steinhuder Meer und Ostsee scheiden sich die Geister, das Thema wird vertagt.
Der Fighter ist seit 1985 auf dem Markt. Mittlerweile sind über 200 Boote verkauft worden.

Mit der Zahl der Anhänger geht es dank des Engagements der Klassenvereinigung zwar langsam, aber doch stetig bergauf. Pro Jahr gibt es zwischen 15 und 20 neue Fighter-Besitzer.
Möglicherweise könnte die Klasse zahlenmäßig besser darstehen, gäbe es da nicht ein paar Klassenfeinde. So mußte zum Beispiel Klaus Helbig vom Duisburger Yacht-Club mit einem Leih-Fighter zur Ansbacher Kanne anreisen. Den eigenen hat er trotz großer Liebe vor einem Jahr verkauft. Nicht etwa, weil er keine Lust mehr zum Fighter-Segeln hatte. "In meinem Verein", sagt er, "wollen sie keinen Fighter. Darüber sollte die Yacht mal schreiben.................."

Quelle: Yacht 2/96 - Author Klaus-P. Kjär