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Ein
Urlaubstag auf dem Limfjord
Für das Segeln auf dem Limfjord hatten und haben wir sehr unterschiedliches Segelmaterial. Diesmal waren es drei Katamarane von Topcat, zwei 505er, ein Zugvogel, ein Laser, eine efsix und zum ersten Mal mein neuer Fighter. Ich war schon sehr gespannt, wie sich der Fighter auf diesem Revier machen wird, zumal wir die Erfahrungen haben, dass das Segeln auf diesem Revier schnell die Schwachstellen von Booten aufdeckt. Für mich war dieser Urlaub die erste Chance, nach dem Regattaerlebnis auf der Müritz und einem kurzem Intermezzo auf dem Altmühlsee intensivere Segelerfahrungen mit dem Fighter zu sammeln. Ich habe den Fighter jetzt zwar schon ein gutes Jahr, aber eine Reihe von Misslichkeiten hat mich leider immer wieder vom Segeln abgehalten. Mit dem Fighter wurden in diesem Urlaub einige Törns unternommen. Die Wetterverhältnisse waren dabei sehr unterschiedlich. Der folgende Bericht beschreibt den Törn mit dem meisten Wind. Schwereres
Wetter Es ist mal wieder das typische Dänemarkwetter dieses Sommers. Gemäß Wetterbericht für das 50 km entfernte Alborg unterschiedliche Bewölkung mit Schauern, Wind 4-5. Vor Ort ist der Wind eher stärker. Beginnende 5 messen wir schon im nicht freien Raum am Ufer, draußen wird es deutlich mehr sein. Die 505er segeln noch, aber mit großem Kampf. Eigentlich ideales Wetter für einen Katamaran – Rauschefahrt garantiert, besonders wenn man sich noch an den Genaker traut. Aber was ist mit dem Fighter. Der soll doch auch viel Wind abkönnen. Das ist doch das Wetter, bei dem wir ihn ausprobieren wollten. Einmal haben wir es schon an uns vorbeigehen lassen (wollen wir uns wirklich trauen?). Aber da war der Wind eher noch stärker, so dass wir nur noch mit dem K1 von Topcat raus gegangen sind – ein Boot, auf dem ich mich neben dem 505er sehr wohl fühle. (An diesem Tag wurde mit dem K1 ein neuer „interner“ Rekord gefahren: in 6,5 Stunden um die Insel Mors im Limfjord, nach Seekarte 63 Seemeilen, gesegelte Meilen deutlich mehr.) Also los mit dem Fighter. Was soll schon passieren. Wenn das Rigg runterkommt, haben wir im Vorschiff den kleinen Außenborder. Der wird es dann schon bringen. Und im schlimmsten aller Fälle müssen wir uns nur lange genug treiben lassen bis Land kommt. Wir wollen zu zweit raus. Mein Vorschoter Olaf bringt auf 2 Meter verteilte sportliche 120 kg auf die Waage. Trotzdem lieber das Reff rein, schließlich habe ich noch keine Erfahrung, wie sich der Fighter bei solchen Wetterbedingungen macht. Raus aus dem kleinen Hafen. Die Abdeckung wird geringer, der Wind wird stärker. Die Entscheidung für das Reff war richtig. Mit gerefften Groß, ausgerollter Fock und Olaf im Trapez ist der Fighter gut zu halten. In einem Bericht habe ich doch mal gelesen, dass der Fighter in der Welle nicht gut geht. Zumindest für diese Wellen (inzwischen bis zu knapp einem Meter) stimmt das nicht. Jede drittte bis vierte Welle nimmt er krachend, aber ansonsten geht er gut durch. Bei manchen Wellen kommt aber viel Wasser über. Der Deckel wird angehoben und wir nehmen einige Liter Wasser. Die Sicherungsleine muss also fest durchgeholt sein. Ohne Sicherungsleine hätten wir den Deckel verloren. Eine Regenböe kommt, der Wind nimmt böig zu. Wir haben zuviel Segel oben. Also abfallen, Fock bis auf ein kleine Dreieck einrollen und weiter geht es. Nur mit gerefftem Groß und dem schweren Olaf im Trapez ist der Fighter jetzt wieder gut zu halten. Das Wasser immer an der Deckkante, der Luv-Kiel in der Luft, Fahrt beständig bei 6,5 – 7 Knoten - schon beeindruckend. Es fängt an zu regnen, nein, zu gießen. Man sieht kaum noch etwas. Wo ist bloß die verdammte Untiefentonne von der Landzunge vor Livö, um die wir unbedingt rum müssen. Wir sind jetzt zwei Stunden unterwegs, langsam müsste sie kommen. Der Regen hört plötzlich auf. Es kommt die Sonne und über dem Limfjord steht ein herrlicher Regenbogen. Der Wind nimmt ein wenig ab, die Fock kann wieder ausgerollt werden. Und eine knappe Seemeile voraus ist auch die Untiefentonne. Danach können wir abfallen. Und dann beginnt die Rauschefahrt. Zunächst bei flachen Wasser in der Abdeckung der Landzunge. Die Fahrt beständig bei 9 Knoten und mehr. Auch beeindruckend, aber es könnte mehr sein. Dann kommen wieder die Wellen und der Wind nimmt zu. Jetzt leicht anluven, Fahrt aufnehmen, dabei bloß nicht in die Sonne schießen, die richtige Welle abwarten, abfallen und dann geht es los: Das Wasser rauscht, die Fahrt nimmt immer weiter zu, 10 Knoten, 11 Knoten, 11,5 Knoten, 11,8 Knoten. Olaf wird böse: konzentriere dich auf das Segeln und starre nicht immer auf die Logge. Recht hat er. Und dann über beinahe 10 Seemeilen Rauschefahrt vom Feinsten. Dabei kommt jede Menge Spritzwasser über. Augen zusammenkneifen und weiter geht es. Olaf hat es gut: wenn er im Trapez steht, kriegt er viel weniger ab. Manchmal gehen kräftige Böenfelder durch. Zweimal machen wir unter Fluchen von Olaf einen Sonnenschuss. Aber langsam bekomme ich für den Fighter unter diesen Bedingungen ein besseres Segelgefühl. Gemeinsames Jauchzen mit Olaf. Der Kahn kann doch einiges an Wind und Welle ab. Das Segelgefühl ist in Manchem durchaus mehr wie bei einem Katamaran als wie bei einem Dickschiff (bzw. einer dickschiffigen Jolle). Manchmal schiele ich auf die Logge. Unter 9 laufen wir nie, die 11 kommt oft, aber die 12 schaffen wir dann doch nicht. Für mehr müssten wir die Segelfläche vergrößern. Auf dem Wasser ausreffen? Das ginge wohl. Aber dann vor der Kreuz auf dem Wasser wieder einreffen? Und würden wir mit unserer Erfahrung die Segelfläche überhaupt beherrschen? Genießen wir es lieber so, wie es ist. Vor uns der Feggesund. Da wollen wir noch einmal die Nase reinstecken. Dazu müssen wir wieder um eine Untiefentonne. Wo ist die bloß wieder? Wir sind zu weit. Also ab durch die Halse. Hui, dass war wohl zu wenig Gegenruder. Gut das Olaf soviel Gewicht einsetzen kann. Nach der Tonne wieder hoch an den Wind und auf die Fähranleger zu. Für diesen Kurs muss die Fock wieder rein. Dieses Manöver kennen wir inzwischen. Die Logge fällt aus. Das Lot spinnt auch. Vermutlich irgendwo ein Kurzer durch Feuchtigkeit. Die Elektronik von Sailmaster ist für solche Bedingungen wohl nicht gut genug. Wie bei Autos: schön, teuer und anfällig. Hoffentlich ist es kein größerer Schaden. Um nicht nur im engen Fahrwasser aufzukreuzen wäre jetzt das Lot sehr schön. An manchen Stellen wird dass Wasser so flach, dass die Möwen nicht mehr schwimmen sondern stehen. Mit einem Strandkat kann man da im Zweifel noch rüberrutschen, aber für den Fighter ist es zu flach. Dann ein Blick zur Seite. Was ist aus dieser großen weißen Wolke geworden! Eine dunkle Wand. Also umdrehen, und wieder um die Untiefentonne Richtung nach Hause. Der Wind kommt bis zur Tonne von achtern. Schmetterling bei dem Wind? Lieber nicht. Also müssen wir noch zweimal Halsen. Langsam werden die bei dem Wind besser. An der Untiefentonne steht die schwarze Wand dann vor uns. Wir müssen jetzt wieder an den Wind. Bloß die Fock wieder eindrehen. Und dann kommen die Böen schon, aber die machen uns weniger Sorgen als die Blitze und das Donnern danach. Wie gut, dass zwischen Blitz und Donner immer einige Zeit vergeht. Das Gewitter hat uns nur mit dem Rand erwischt. Dann wieder Regen wie aus Kübeln und danach flauere Winde. Eigentlich können wir jetzt ausreffen, aber der Wind nimmt bestimmt wieder zu. Das tut er. Aber die Fock können wir stehen lassen. Die Wellen sind hier noch größer (ein guter Meter). Jetzt schlägt der Fighter öfter in die Welle und steht danach beinahe. Also leicht abfallen und die Wellen ausfahren. Das kostet zwar Höhe, aber dafür steht er nicht mehr. Nach beinahe 7 Stunden sind wir wieder im Hafen. Dort werden wir schon erwartet. Angesichts des Gewitters haben sich einige doch ein wenig Sorgen gemacht. Im Hafen müssen wir noch kurz aufkreuzen, dann können wir an der Boje festmachen. Die hängt an einem 13 kg Anker, den wir ausgelegt haben (der Hafen ist eigentlich aufgegeben und es existieren keine Festmachmöglichkeiten mehr) Im Schiff ist jede Menge Wasser, das wir erst einmal auspumpen müssen. Der Deckel könnte für solche Bedingungen dichter sein. Dazu müsste er wie bei Dickschiffen eine zweite Kante haben. Und wo nimmt das Schiff noch Wasser? Alles verpacken und uns dann an der Achterleine mit dem Gummiboot an Land ziehen. Raus aus dem Trockenanzug - und dann ein Bier. Wir sind zufrieden und haben die für solche Situationen typisch glücklich strahlenden Segleraugen. Resumee: Der Fighter kann einiges an Wind und Welle ab. Seine Grenzen haben wir mit diesem Törn noch nicht ausgetestet. Mein Vertrauen in den Fighter ist gewachsen, auch wenn ich unter diesen Bedingungen lieber zu zweit draußen gewesen bin. Bei höherer Welle kommt einiges an Wasser über. Der Deckel muss gut dicht geholt sein, sonst kommt viel Wasser ins Schiff. Der Fighter läuft auch mit Reff gut. Nur mit Groß sollte aber immer ein kleines Dreieck der Fock stehen bleiben, ansonsten hat man in der Welle Schwierigkeiten mit der Wende. Die Fock sollte bei solcher Windstärke nur vor dem Wind eingerollt werden. Anders geht es nicht, da zuviel Druck im Segel ist. Die zweite Klemme für die Großschot hat sich sehr bewährt. Sie ist so angebracht, dass die Großschot auch vom Vorschoter aus dem Trapez gefahren werden kann. Der Steuermann fährt dann nur noch Traveller und Fock. Macht insbesondere bei böigem Wind das Segeln für beide Seiten angenehmer – wenn denn beide die entsprechende Erfahrung haben. Diese Art des Segelns kennen wir von Katamaranen. |