
Die Idee zu dieser
Geschwaderfahrt in den
Rügenschen Boddengewässern wurde am Rande unserer
Regattaaktivitäten geboren, als wir
engagiert darüber diskutierten, ob der Fighter auch
für
offenere seenahe Gewässer
geeignet sei. Einige, die bisher ausschließlich
auf
Binnengewässern gesegelt waren, wollten gerne einmal
küstennahe Gewässer befahren.
Thomas erklärte sich bereit, eine Geschwaderfahrt zu
organisieren. Aus
mehrjähriger Erfahrung mit einem
Zeesenboot
in den Gewässern rund Rügen waren genügend
Revierkenntnisse für eine variable
Routenplanung vorhanden, die sowohl die wettermäßig
meistens
vorherrschende
‚Westlage’ als auch eine im Sommer alternativ
relativ häufig anzutreffende
‚Ostlage’
berücksichtigte. Windstärken bis 8-12 m/sec (Bft.
5-6) mit
entsprechender Welle sind in
den küstennahen Boddengewässern nichts
Ungewöhnliches.
Mit entsprechendem Reff wollten
wir beides gut bewältigen können. Ziel und
Länge der
Tagesetappen sollten je nach
Wetterlage anzupassen sein, um auch den weniger erfahrenen Steuerleuten
den Törn
stressfrei zu gestalten. Das läßt
sich
durch die Vielzahl der Häfen in den Boddengewässern
sehr gut
verwirklichen, insbesondere
da man mit dem flachgehenden Fighter fast überall einlaufen
oder
auch kleine Anleger an
Campingplätzen anlaufen kann.
Außerdem
wollten wir nicht auf dem Fighter übernachten.
Aufgrund dieser
Vorgaben entschieden wir uns für ein Standquartier in Ralswiek
im
Südwestzipfel des
Großen Jasmunder Bodden. Hier gibt es hervorragende Slip- und
Liegemöglichkeiten. Der
abendliche
Touristenverkehr wegen der
Störtebeker Spiele stört nicht wirklich.
Die Anreise mit
Boot und
Trailer war für alle ‚ohne besondere
Vorkommnisse’.
‚Widgiemooltha’
(GER 201) segelte schon 1 Woche vorher in den Gewässern um
Hiddensee. So sind wir in 5 ½
Stunden bei 5 Bft. (in Böen bis 6) Ost-Südost mit
gerefftem
Groß und Fock immer hart am
Wind von Vitte auf Hiddensee zum Treffpunkt nach Ralswiek gekreuzt. An
einigen Stellen
kann man selbst mit unserem flachgehenden
Boot
wegen vieler Steine in den flacheren Bereichen die Rinnen nicht weit
verlassen, so daß
wir vom Vitter Fahrwasser bis in den Breeger Bodden und dann bis zum
Liddower Haken, wo
der Lebbiner Bodden in den nördlichen Eingang des Jasmunder
Boddens übergeht, ‚Wenden
in
kurzer Folge’ übten. Auf dem Jasmunder
Bodden ging’s dann hart am Wind auf Steuerbordbug gegen eine
kurze
steile Welle. Bei
jedem Eintauchen des Bugs setzte sich das Rigg
nach
vorn in Bewegung ächzte
und quietschte.
Wir wollten uns
ab Freitagabend, 22.8.02 in
Ralswiek
treffen
und Sonnabendmitttag absegeln. Das ermöglichte trotz u. U.
sehr
später Ankunft bei
lang(wierig)er Anreise ein gemütliches Auftakeln am Sonnabend.
In
Zeiten der
Handykommunikation sind kurzfirstige Abstimmungen kein Problem mehr und
wurden von uns auf
dem ganzen Törn bei Bedarf genutzt.
Sonnabend 23.8.2001
12:00: Alle
angemeldeten Teilnehmer
(Werner und Helma GER 120, Heiko und Renate GER 92, Hans-Werner GER
197, Fritz GER 195,
Thomas und Sabine GER 201, Gerd
GER 131 )
waren angekommen und die Boote geriggt, geslippt und segelfertig. In
der ersten
ausführlichen Steuermannsbesprechung legten wir die
ungefähre
Route, sowie
Ausweichoptionen bei Wetteränderungen fest, bewerteten nicht
nur
die aktuellen sondern
auch die mittelfristigen Wetter- und Windvorhersagen,
überprüften
Sicherheitsvorkehrungen, checkten die Ausrüstung und
programmierten Handynummern. Gegen
13:00 hieß es endlich „Leinen los!“ und
unsere kleine Flotte lief
unter den
kritisch-aufgeregten Blicken anderer Bootsbesatzungen mit Tagesziel
Wiek im Wieker Bodden
aus.
Das Aus- und
Einlaufen unserer Gruppe unter Segeln auch in engeren Häfen
mit
drehenden Winden hat
regelmäßig viele Zuschauer angezogen. Fritz hat beim
Ablegen
noch kurz ein anderes
Schiff touchiert, was ihm zunächst ärgerliche Blicke
anderer
ortsansässiger Segler, am
nächsten Tag auch noch eine mehr oder weniger unangenehme
Unterhaltung mit dem
Bootsbesitzer einbrachte.
Vormittags
hatte es bereits mit konstant 5 Bft., in Böen auch 6 Bft. Ost
geblasen. Mit dem Fernglas
ließen sich Wellen und Gischt auf dem offenen Wasser gut
ausmachen, so daß wir uns trotz
der ruhigen Verhältnisse im Hafen dazu entschlossen, mit einem
Reff im Groß loszusegeln,
insbesondere da einige noch nie mit ihrem Schiff auf offeneren
Gewässern mit
entsprechender Welle gesegelt sind, und wir keinerlei Risiko eingehen
wollten. Die
‚vorgerückte Stunde’ war nicht nachteilig,
da wir (wie
anschließend in der
ganzen Woche) eine stabile Ostlage mit strahlendem Sonnenschein und bis
21:30 Tageslicht
hatten. Geschätzte Segeldauer ca. 4 h.
In flotter Fahrt
bei
halbem Wind kreuzten
wir den Jasmunder Bodden. Wir blieben dicht beieinander, machten erste
Fotos und tauschten
Fachsimpeleien aus. Die Navigation war wegen der extrem guten Sicht
sehr leicht. Das
Westufer mit seiner bewaldeten Hochufern
bietet bis dicht
unter Land ausreichend
Wassertiefe. Auf
unserem Kurs lagen keine
Steinriffe, die wir hätten meiden müssen. Die wenigen
zur
Orientierung dienenden Tonnen
waren mit dem Fernglas gut auszumachen.
Der Wind flaute
nach 1,5 Stunden auf 3-4 Bft ab, so daß wir versucht waren
trotz
flotter Fahrt mit 5-8
Knoten, das Reff auszuschütten. Kurz bevor wir den Kurs nach
Südwest ändern konnten,
erwischte uns am Gelmer Ort, der östlichen Zufahrt zum Breeger
Bodden eine anhaltende,
kräftige Bö, die von der Oderbucht über die
Schaabe
geheult kam. Die Fighter
‚sprangen’ sofort an in rauschende Gleitfahrt trotz
Reff. Da uns in dem
sich
verengenden Fahrwasser mit einem langen von Norden kommenden Steinriff
auch noch einige
Jachten und größere Fahrgastschiffe entgegenkamen,
mußte sauber und vorausschauend
manövriert werden.
Vor dem Wind
schaukelten wir durch den Breetzer Bodden zur Wittower Fähr,
wo
sich die nördliche
Halbinsel Wittow und die
südliche
Halbinsel
Rassow sehr nah
gegenüber liegen
und durch eine
Fährverbindung verbunden sind. Werner GER 120 zeigte uns auf
diesem Stück, was seine
ausgeklügelt geriggte, ausgebaumte Fock wert ist. Er
ließ
uns einfach stehen und
verschwand fast „außer Sicht“.
Auf diesem
ruhigen Kurs mit etwas abnehmendem Wind konnten wir die Sonne, die
herrliche Aussicht auf
die nahe Küstenlinie, das Windgeräusch in der
Takelage sowie
das Rauschen von Bug- und
Heckwelle genießen.
An der Wittower
Fähr war ‚Sammeln’ angesagt. Wir
änderten den Kurs nach
Norden durch den
Rassower Strom in den Buger Bodden und dann den Wieker Bodden. Der Wind
hatte wieder
aufgefrischt auf 5 Bft. mit noch etwas stärkeren hackigen
Böen, die mit
‚Düseneffekt’ ihren Weg durch die
Waldlücken am Ufer fanden.
Im Klappsitz
ausreitend ging’s wie die wilde Jagd nach Wiek.
Beim
Geschwadersegeln ist jeder Tag Regattatag.
Der Hafen von Wiek
barg eine
Überraschung: eine einzige Baustelle. Keine Pfähle
zum
Festmachen und rundrum nur
rostige, eben gesetzte Spundwände ohne rechten Zugang von
Land.
Die freie Wasserfläche
ließ uns dafür genug Raum, um Runden zu segeln, uns
zu
beraten und abzustimmen.
Schließlich bildeten wir 2 Päckchen mit je 3 Boote
und
machten längsseits fest. Mit
etwas bangen Gefühlen ließen wir die Boote
zurück, weil
der Hafen mehrfach täglich
durch größere Ausflugsschiffe angesteuert wird, die
erheblichen Schwall verursachen und
dadurch unsere Boote gegen die Spundwände und die
herausstehenden
Bolzen drücken
könnten, wenn die reichlich ausgebrachten Fender doch wider
Erwarten verrutschen sollten.
In dem
Bewußtsein, einen wunderbaren Segeltag erlebt zu haben,
ließen wir uns mit dem Auto nach
Ralswiek zurückfahren.
Sonntag 24.8.2002
Morgens
war es fast windstill, am Vormittag entwickelte sich dann eine flotte
Brise. Windvorhersage NNO 4-8 m/sec., in Böen bis 10 m/sec.
dabei
wieder Sonne mit
wenigen Wolken. Tagesziel sollte Barhöft auf dem Festland
sein,
das wir entlang der
Außenseite von Hiddensee, in Lee der Küste segelnd,
durch
den Gellenstrom und die
Barhöfteraa Rinne ansteuern wollten.
Um
11:30 verließen wir Wiek mit kleiner Besegelung auf
südwestlichem Kurs durch den Rassower Strom und dann
zunächst
nach Westen zum Vitter
Bodden und von dort nach Norden. Durch
die
Hahnentiefschaar zwischen Bug im Osten und Bessiner Haken, dem
nordöstlichen Ende der
Insel Hiddensee im Westen, verließen wir die
geschützten
Gewässer, Richtung Ostsee. Der
Wind flaute ab auf 3 Bft. bevor er auf Ost drehte. Mit
mäßiger Fahrt umrundeten wir den
Enddorn und das Hochland von Hiddensee. Die steil ins Wasser fallenden
Kreidefelsen sind
beeindruckend, wenn man sie von unten praktisch von der
Wasseroberfläche aus betrachtet.
Der rotweiße Leuchtturm
erhebt
seinen Helm
als unverkennbares Wahrzeichen über der Silhoutte des
Hochlands. (Mit
Booten bis ca 1,5 m Tiefgang kann man
dicht
unter Land bleiben. „Solange man die Spitze vom Leuchtturm
Dornbusch
sehen kann, ist
es tief genug“ – so die Auskunft Karli K.,
langjährig Fischmeister
der Vitter
Fischereiflotte)
Auf der
Außenseite von Hiddensee erzeugte nach Osten
laufender Strom zusammen mit den von Ost nach West laufenden Windwellen
einen unangenehmen
Schwell, auf dem wir im Windschatten des Hochlands herumschaukelten.
Das Wasser
schimmerten in den verschiedensten Tönen von trüb
blaugrün bis zu klarem azurblau je
nach Sonneneinstrahlung.
Nach
einer Stunde frischte der Wind wieder auf,
so
daß wir in Rauschefahrt mit halbem Wind den langen
weißen
Außenstrand von Hiddensee
entlang glitten.
Vor dem
Leuchtturm von Neuendorf ließen wir zum Picknick
und Baden den Anker fallen. In dem klaren Wasser bei ablandigem Wind
war es leicht bis auf
ca. 1m Wassertiefe an den Strand zu segeln und guten sandigen
Ankergrund zu finden.
(...zur
Erinnerung: Ankermanöver:
Das
Vorsegel wird eingerollt, damit man Platz auf dem
Vordeck hat.
Man
kann mit einem Paddel sehr gut loten und tasten, wenn
das Wasser unsichtig ist, oder man sich über die
Beschaffenheit
des Grunds nicht klar ist
Die Ankerleine kann direkt an der Bugklampe oder am Bugring
angeschlagen werden. Für
unruhiges Wasser, wenn man nicht viel Lust hat, lange auf dem Vorschiff
rumzuturnen, gibt
es noch eine andere Alternative: der Anker bleibt in der Plicht oder in
der Kajüte
liegen. Das freie Ende der Ankerleine wird außen an den
Wanten
vorbeigeführt, man legt
sich dann bäuchlings aufs Vorschiff und führt das
Ende durch
den Bugring, holt einige
Meter durch und belegt das Ende dann um den Mastfuß herum.
Das
ist sehr sicher und schont
Material und Nerven, weil einem der Anker nicht vorzeitig aus der Hand
rutschen kann, und
man stets mindestens eine Hand zur eigenen Sicherung hat.
Der
Anker fällt erst, wenn nach dem Aufschiesser keine
Fahrt mehr im Schiff ist - Backhalten des Großsegels
verkürzt den Weg. Die Ankerleine
wird Hand über Hand kontrolliert gefiert.
Damit
das Schiff sofort frei schwojen kann, sollte das Großsegel
sofort
vom Baum gelöst, aber
erst geborgen werden, wenn man sicher ist, daß der Anker
hält. Wenn man länger liegen
bleiben oder sich vom Boot entfernen will, sollte man noch einen
kleinen Spaziergang im
Wasser um das Boot herum machen, um Steine o,ä. nicht zu
übersehen, auf die das Boot bei
einer Drehung von Wind oder Strom treiben könnte.)
Nach
ausgiebigem Picknick, Sonnenbad und Schwimmen im 20°C
warmem Wasser setzten wir volle Garderobe und segelten die letzten
Meilen an Gellen und
Bock vorbei nach Barhöft, das am Ausgang der westlichen
Boddengewässer auf dem Festland
liegt. Die Einfahrt ist zwar gut betonnt, aber etwas trickreich, da
sich verschiedene
Fahrwasser dort treffen und man genau in die Karte schauen
muß,
um die Tonnen eindeutig
zu identifizieren. Werner hat den Grund nur etwas gepflügt,
während Heiko gleich ein
Wassergrundstück besetzte. Im Hafen von Barhöft
drehten wir
wieder ein paar Runden, um
einen ausreichend großen Liegeplatz für unser
Päckchen
zu finden. Fritz hatte als
erster einen geeigneten Platz erspäht, segelte schwungvoll
Richtung Steg und tat dann
einen gewaltigen – zu kurzen -
Sprung,
der mit einem lauten „Platsch“ und Vollwaschgang
endete.
Das Festmachen an der Heckboje war für ihn dann
ganz einfach. Der Hafenmeister
kommentierte
später, daß unser Eintreffen gewesen sei wie
„der Einfall
eines
Hornissenschwarms“. Wenn die 6 Fighter auf engstem Raum mit
knatternden
Segeln
(Wende-Halse-Schiften-Wende...) umeinander kreisen, ist das in hiesigen
Gewässern ein
ungewöhnliches Bild, weil kaum noch eine der modernen Jachten
unter Segel ein- oder
ausläuft, und die meisten Häfen dafür
inzwischen auch zu
eng sind. Bei
„Unvorhergesehenem“ gäbe es kaum
Manövrierraum. Mit unserem
handlichen,
wendigen Schiff allerdings ist es kein Problem.
Auch
hier wurden wir wieder von anderen Seglern auf den
Schiiftyp angesprochen, den „man hier ja noch nie angetroffen
habe“ und
„jetzt gleich 6 auf ein Mal“. Der
auffällig hohe drehbare Mast
wird ebenso
begutachtet, wie die Schotführung, die Selbstwendefock und der
Ausreitsitz. Daß unter
Deck genügend trockener Stauraum ist, wird mit Verwunderung
und
einer gewissen
Ungläubigkeit zur Kenntnis genommen.
Montag,
25.8.2002
Morgens
wieder herrliches, warmes Sonnenwetter, aber so gut
wie kein Wind. Wir lassen uns Zeit mit der Abfahrt, da erst
für
den Nachmittag eine
umlaufend Brise angesagt war. Um die Mittagszeit laufen wir bei 1-2
Bft. aus. Das
bißchen Wind kommt
auch noch von vorn, so
daß wir lange brauchen, bis wir auf Kurs zu unserem heutigen
Tagesziel, Schaprode im
Schaproder Bodden nehmen können. Glücklicherweise
geht der
Strom in der Vierendehlrinne
von Nord nach Süd, so daß er uns zunächst
dem Ziel
entgegenschiebt. Gellenhaken und Vierendehlgrund
sind großflächig trocken
gefallen. Auf der Bank hat sich eine grosse Zahl Enten, Gänse,
Möwen, Seeschwalben,
Taucher und
Watvögel versammelt. Auch
der
hier regelmäßig anzutreffende Seeadler ist wegen
seiner
Größe sogar am Boden mit
bloßem Auge gut auszumachen.
Die
anderen
Vögel räumen ihm einen respektvollen Abstand ein.
Unmittelbar
südlich der Schutzzone I
schieben wir (zeitweise in dem flachen Wasser durchaus
wörtlich zu
nehmen) mit leichter
Brise aus Nord mit halbem „Wind“ über die
Sandbank Richtung
Heuwiese im
nördlichen Kubitzer Bodden. Kaum sind wir östlich
außerhalb des Flachs, dreht der Wind
auf Ost und frischt auf 3 Bft auf, so daß wir in flotter
Fahrt
Richtung Norden durch die
Gellenhaken Rinne weiter segeln können. Auch hier ist es neben
den
Rinne teilweise sehr
flach mit Steinen. Wir haben natürlich sehr viel mehr Raum als
die
uns passierenden
Jachten und Fahrgastschiffe.
Man
muß die Wasserfläche aufmerksam beobachten:
Die
Veränderung des Wellenbildes gibt sehr gut Auskunft, wie sich
die
Wassertiefe ändert. Je
kürzer und flacher die Wellen, desto flacher ist das Wasser.
Gibt
es nur leichten
Windriffel oder sogar ganz glattes Wasser, ist es fast immer zu flach.
(Ein Paddel ist
hervorragend geeignet, um die eigene Einschätzung zu
überprüfen!) Steine
lassen sich
allerdings nicht immer
rechtzeitig erkennen, so daß dort, wo viele Steine in der
Karte
eingezeichnet sind,
besondere Vorsicht geboten ist.
Obwohl
wir es auch heute wirklich nicht eilig hatten, wurde
immer mal wieder ‚Regatta’ gesegelt: ausluven des
passierenden
Luvbootes,
abkürzen übers Flach, abdecken des Leebootes etc.
Bringt
Abwechselung und macht Spaß an
einem langen Segeltag.
Am
Mittelgrund, östlich des Faulen Haken, sammeln wir uns
noch einmal und beschließen, den geplanten Abstecher nach
Neuendorf auf Hiddensee nicht
mehr zu machen, da es schon spät geworden ist.
Beim
Einlaufen nach Schaprode wird durch regen Verkehr von
Wassertaxis, Fähren und Fahrgastschiffen, sowie drehende
Winde,
die von Ost kommend in
der „Düse“ zwischen den Gebäuden
der Ortschaft und der
südlich liegenden
Insel Öhe mit einigen hohen Bäumen große
Aufmerksamkeit
gefordert. Heiko besetzt doch
noch
mal wieder ein Wassergrundstück, als der Schwall
einer Fähre ihn aus dem Fahrwasser drückt, und sein
Motor
nicht sofort anspringt.
Schaden ist trotz eines nahen Steinriffs auch diesmal
glücklicherweise nicht entstanden.
(Es
ist einfach ein nicht zu verachtender Vorteil,
wenn man beim Auflaufen einfach aussteigen und das Boot umdrehen kann!
Einfach –
praktisch – schnell.)
Festmachen
ist nicht ganz einfach, da die Boote auch bei
Schwell durch die Fähren, Kutter und Fahrgastschiffe ruhig und
sicher liegen sollen: 4
Boote finden schließlich Platz in einem Päckchen,
Werner
zwängt sich zwischen zwei
größere Jachten und Hans-Werner macht auf der
Westseite des
Hafens an frei stehenden
Pfählen fest, so daß er anschließend quer
durch den
Hafen zum Kai schwimmen muß.
– Kleine Erfrischung zum Abschluß –
Nach
gemeinsamem Kaffeetrinken mit Helma, Renate und Sabine
fahren wir mit dem Auto zurück nach Ralswiek.
Dienstag,
26.8.2002
Ein
neuer warmer Sommertag. Umlaufende Winde mit max. 3
Bft.aus nördlichen Richtungen sind angesagt. Morgens ist es
fast
windstill – viel
Zeit für ein ausgiebiges Frühstück auf der
Terasse.
Am
Treffpunkt eröffnen Fritz, Gerd und Hans-Werner ihre
neuen Pläne: sie wollen um Kap Arkona segeln und
Rügen auf
der Ostseite umrunden.
Thomas,
Werner und Heiko halten an der ursprüngliche
Planung, die geschützten Gewässer nicht zu verlassen,
fest.
Thomas
hat Rügen bei unterschiedlichsten Wind- und
Wetterlagen bereits mehrfach auf einem Zeesboot umsegelt: wenn man auf
einem Fighter
sitzt, ist das Wasser groß und der Segeltag lang!!
Wenn
bei der vorhergesagten stabilen Ostlage der Wind auffrischt, ist an der
Ostküste eine
lange, u. U. recht hohe Welle aus der Oderbucht zu erwarten. Bei
Südostdrehung des Windes
sind dann lange Schläge nach Süden gegen die Welle,
die dann
auch noch durch von der
Küste zurückkommende Wellen
‚gestört’ wird, zu segeln.
Das kann recht ungemütlich werden, da es
zwar
mehrere Seebrücken aber nur 3 geschützte
Häfen auf der
Ostseite von Rügen gibt. Damit
sind Ausweichoptionen rar. Die Umrundung des Südpeerds an der
Südostspitze kann für
unsere Fighter ebenfalls recht rauh werden.
Wie
allgemein bekannt, haben die 3 ihren Plan verwirklicht
und sind sicher in Lauterbach angekommen. Berichtet ist auch,
daß
die Segeltage lang
waren, und die Navigation bei hereinbrechender Dunkelheit und
sommerlichem Abenddunst auf
dem Wasser vor der Küste nicht so einfach war. Einen genauerer
Bericht wird ja
hoffentlich noch ergänzend von Gerd erstellt.
Nachdem
wir gegen Mittag gemeinsam aus Schaprode ausgelaufen sind, wenden sich
also 3 Boote nach
Norden und 3 nach Süden. Die sehr leichte Sommerbrise kommt
fast
genau aus Nord und ist
sehr unstet. Mit achterlichem bis raumem Wind laufen wir (Binnengruppe)
nur 2,5 bis 3
Knoten. Haüfig muß treibendes Kraut von den Kielen
und den
Ruderblättern entfernt
werden. Wir wollen in den Strelasund und am späten
Nachnmittag,
17:20, die Öffnung der
Ziegelgrabenbrücke, eine Klappbrücke, die
Rügen mit dem
Festland verbindet, nutzen, um
dann weiter nach Osten Richtung Greifwalder Bodden laufen zu
können.
Wir
machen nur träge Fahrt. Um 14:30 werfen wir im
Kubitzer Bodden, nördlich des Bessiner Hakens die Motoren an,
nachdem der Wind ganz
eingeschlafen ist. Nach 20 Minuten spuckt Werners Motor und gibt dann
auf. Thomas nimmt
Werner in Schlepp. Nach einer weiteren Stunde läuft Thomas
Motor
(ein geschenkter 2,5 PS
Evinrude Bauj. 1962, der erstmals für GER 201 im Einsatz ist)
leer
und läßt sich nicht
wieder starten. ... Da war es nur noch ein Motor. Stralsund erscheint
noch sehr weit
entfernt. Die nächsten Brückenzüge sind um
23:00 und
dann wieder ca. 2:30. Keine
richtig attraktiven Zeiten, wenn man Urlaub hat.
Heikos
Motor allerdings läuft (noch) zuverlässig und
schleppt schließlich alle 3 Boote rechtzeitig in den Hafen
von
Stralsund. Noch 15 Minuten
bis zum Brückenzug. Wir machen in der Nähe der
Brücke
fest und beobachten die
Brücken-Signale. ... Endlich, die Eisenbahnzüge sind
durch,
die Autos halten an den
Schranken, gleich wird es so weit sein.
Brückenvorbereitungssignal
– andere Jachten
machen los, um sich bereit zu halten. Meistens kreisen die Schiffe viel
zu lange vor
Brücken und Schleusen. Es dauert häufig doch recht
lange, bis
nach dem
Vorbereitungssignal die Durchfahrt frei gegeben werden kann.
Als die
Brücke fast oben ist, will Heiko den Motor
starten----er rührt sich nicht. Start....Start...usw. Die
Stimmung
sinkt – wir haben
uns angestrengt, die Zeit einzuhalten und jetzt verreckt auch noch der
letzte von 3
Motoren. Schließlich
steigt Werner
zu Heiko
über, und zusammen versuchen sie es erneut. Die Jachten aus
unserer Richtung erhalten das
Durchfahrtssignal, aus den Lautsprechern einer am Wasser liegenden
Kneipe erklingt
„...auf Wiedersehen, auf Wiedersehen...“, und wir
probieren immer noch.
Thomas
wird zunehmend unruhiger, hüpft auf seinem Vordeck umher und
beobachtet jeden Handgriff
der anderen. (Keine Kommentare bitte, es ist am nicht-funktionierenden
Motor allein schon
schwer genug!!) Die Jachten aus der anderen Richtung haben schon
Durchfahrt, die Musik
spielt einen Willkommensgruss. Alle Boote aus der Gegenrichtung sind
schon durch, da
springt der Motor doch noch an. „Thomas, was sollen wir
tun?“ „Vollgas
auf
die Brücke halten. Bis sie wieder unten ist, sind wir alle Mal
durch, da unsere Masten
nur wenig zusätzlichen Raum brauchen“. Wir
haben aber Glück, die Brückenwärterin hat
uns bemerkt
und gibt für unsere Seite erneut
Durchfahrtssignal. Von Land ertönt noch einmal
„...auf
Wiedersehen“, als wir
die Brücke passieren und uns bei der diensttuenden
Brückenwärterin bedanken. Es hat ihr
sichtlich Freude gemacht, etwas für „die
Kleinen“ zu tun.
(Übrigens: Eine
„sportliche“ Alternative für
Abenteuerlustige wäre gewesen,
die Boote mit viel
Krängung unter der Strelasundbrücke, die eine lichte
Höhe von ca. 8 m hat,
durchzubringen.)
Bei
wunderschönem Abendlicht sind wir an der Ostseite des
Dänholm in den ehemaligen Marine- jetzt Sportboothafen mit
Hotel
und Segelschule
eingelaufen. Abkühlen durch Schwimmen war angesagt, als die
Boote
festgemacht waren.
Mittwoch
27.8.2002
Die
stabile Wetterlage bescherte uns einen weiteren
Sonnentag mit zunächst sehr leichter Brise aus Nord.
Gemütlich im Boot sitzend liefen
wir (wieder mit Strom) den Strelasund nach Südosten. Die
Mannschaft von GER 201 wurde
durch einen lauten „Gong“ aus der sommerlichen
Trägheit geweckt,
als eine
(eigentlich unübersehbare) gelbe Messtonne Stb.
berührt
wurde. Es ist erstaunlich, wie
eine so grosse Tonne von unserer kleinen Fock total abgedeckt werden
kann.
Die
Ufer des Strelasunds sind teils bewaldet, teils mit
Feldern bedeckt. Eine schön anzusehende Kulisse.
Gegen
Mittag zwischen dem Fährhafen Stahlbrode im Süden und
der
Puddeminer Wiek im Norden,
schlief der Wind ein. Auch mit kurzen Motoreinsätzen gelang es
nicht, Wind
‚einzufangen’. Dafür kam ein
Küstenschutzschiff hinter uns
auf und ließ in
unmitelbarer Nähe ein Tochterboot durch die Heckklappe ins
Wasser.
Als Junge habe ich mir
ein solches Erlebnis immer gewünscht. Wie habe ich im
‚GRAUPNER’-Katalog das
Modell des Seenotrettungskreuzers bewundert,
dessen
Tochterboot man per Fernsteuerung ins Wasser lassen konnte.
Die
Sonne begann zu stechen, wir konnten im Osten am
Horizont Segelboote ausmachen, die uns unter Spi entgegen kamen è Wind! Gleichzeitig wurde es zunehmend diesiger, so
daß
die
Uferkonturen in der Ferne verschwammen.
Die
erste Brise kam aus Ost, zumehmend auffrischend bis auf
4 Bft. drehte der Wind auf NNO, so daß wir bis zum Zudar gut
vorankamen. Am Ostausgang
des Strelasund stand eine unangenehm kurze, hackige Welle durch den
nach Ost setzenden
Strom, der auf die aus Ost kommende Windwelle traf. In solch kurzer
Welle, die typisch ist
für den Greifwalder Bodden ist, stampft sich der Fighter
manchmal
fest. Wegen dieser
kurzen steilen Welle
gilt der
Greifwalder Bodden als gefährlich für offene Boote.
Wir
umrundeten den Zudar, auf dessen Spitze, Palmer Ort, lange Reusen
stehen. Entlang der
ganzen Küste nach Norden Richtung Lauterbach stehen die
Reusenköpfe auf ca. 3,5 - 4 m
Wassertiefe. Dicht
unter der Küste zu
segeln
ist wegen der lange Reusen also nur bedingt möglich. Die
Schoten
leicht geschriggt, so
daß Höhe und Geschwindigkeit in gutem Einklang
standen,
liefen wir mit langen Hole- und
Streckschlägen nach Lauterbach. Die Steinriffe
südlich und
westlich vor Vilm sind für
den Fighter ungefährlich, da sie uns bis dicht unter Land noch
ausreichend Wassertiefe
bieten. Vilm selbst
ist Naturschutzgebiet
und
darf nicht angelaufen werden. Ankern dicht unter der Küste ist
ebenfalls nicht erlaubt.
Müde
von der langen Tour machten wir im Yachthafen von
Lauterbach fest. Die Boxen dort sind sehr(!) lang, so daß man
ein
paar lange Leinen parat
haben sollte, falls man keine 14-m Yacht fährt. Im alten Hafen
ist
dies kein Problem,
allerdings stehen dort nur wenige Liegeplätze zur
Verfügung,
und es herrscht reger
Ausflugsdampferverkehr. Von Lauterbach kann man zu Fuß nach
Putbus mit seiner besonderen
Ortsanlage und Architektur laufen.
Donnerstag,
28.8.2002
Das
Wetter hat sich nicht geändert. Sonne mit einigen
Kumuluswolken, beim Auslaufen 2-3 Bft. aus NNO.
Zunächst
geht es unter dem Schutz aber leider auch im Windschatten der
Küste zwischen Rügen und
der Nordspitze von Vilm nach Osten. Die Stresower Bucht bleibt
nördlich als wir Richtung
Having laufen. Die Having ist eine langgestreckte Bucht, in die wir am
frühen Nachmittag
hineinkreuzen mit Kurs auf Moritzdorf und die Einfahrt in den Selliner
See. In Moritzdorf
wollen wir uns mit Helma, Renate und Sabine zum Kaffeetrinken in der
‚Moritzburg’ treffen. Die sehr schmale Einfahrt ist
kreuzend gegen
schralende
Winde nicht einfach zu bewältigen. Thomas läuft 2 mal
auf. Da
der Grund sandig oder
krautig ist, ist das unproblematisch. Mit Wassersandalen kann man
schnell aussteigen und
das Boot drehen, wenn die Schoten los sind.
Liegeplätze
sind in Moritzdorf rar. Der Fährmann, der
dort eine Ruderbootfähre betreibt, erlaubt uns auf freundliche
Nachfrage, für 2 Stunden
an seinem Privatliegeplatz längsseits zu gehen.
Der
Spaziergang durch die Wiesen, das kleine Dorf und der leichte Anstieg
zur
‚Moritzburg’ in der warmen Spätsommersonne
sind ein besonderer
Genuß. Die
Kaffeeterasse liegt auf einer kleinen Anhöhe direkt an der
Küste. Der Blick geht weit
über den Greifswalder Bodden im Süden (Leider ist es
zu
diesig um die Türme von
Greifwald, die man an klaren Tagen am Horizont erkennen kann,
auszumachen.), über das
Mönchgut im Osten auf die Oderbucht und im Norden
über
Rügen bis zum Jagdschloss
Gransee. Am Spätnachmittag laufen wir wieder aus, um noch das
kurze Stück nach Seedorf
zu segeln, wo wir über Nacht liegen wollen. In Seedorf wurden
früher Großsegler gebaut.
Einige Reste kann man (mit etwas Phantasie) noch sehen. Der Hafen ist
neu ausgebaut mit
sehr guten Einrichtungen und Angeboten. Die Boxen sind hier so breit,
daß wir zu dritt
bequem in 2 Boxen liegen können.
Unsere
‚Seesegler’ sind abends schon in
Lauterbach eingetroffen, wo sie bereits am nächsten Tag,
Freitag,
slippen und dann die
Heimreise antreten wollen. Zum
gemeinsamen
Abschluss-Abendessen treffen wir uns in Bergen. Es wird ein typischer,
schöner
‚Fighterabend’.
Freitag,
29.08.2002
Tagesziel
ist wieder Lauterbach, wo wir abends die Boote
slippen wollen.Die Wetterlage soll in der nächsten Woche
instabiler werden. Der erste
Vorbote ist frischer Wind aus WSW. Wieder gegen an! Die Sonne scheint
wieder, nur wenige
Wolken. Bei SW 4 Bft. laufen wir aus Seedorf aus. Die
ursprüngliche Planung, noch nach
Gager in der Hagenschen Wiek zu
segeln
geben
wir auf, da der Rückweg nach Westen zu lang werden
würde.
Obwohl oder weil es unser
letzter Tag ist, segeln wir noch einmal ‚Regatta’.
Der westlich
drehende Wind
verlangt ‚kluge’ Schläge,
außerdem ist der unterschiedliche
Wellen(ver)lauf je
nach Wassertiefe und
Ufernähe auszunutzen.
Werner macht uns wieder einmal vor, wie es richtig geht. Die letzten
Schläge sind ein
herrlicher Abschluss dieser Segelwoche: Sonne, frische Brise,
spritziges Wasser, der
Fighter immer leicht auf der Backe. Zur Kaffeezeit laufen wir in
Lauterbach ein. Bereits
morgens haben wir unsere Hänger dort bereitgestellt und uns
die
Erlaubnis geholt, am Steg
des Segelclub Putbus festmachen und die Slipanlage benutzen zu
dürfen. Die Freundlichkeit
und Hilfsbereitschaft der dortigen Segler war noch eine Steigerung der
auch sonst
üblichen freundlichen Aufnahme.
Mit
vereinten Kräften waren die Boote schnell verladen und
‚reisefertig’.
Fazit:
Die
Gewässer um Rügen sind für den Fightersegler
eine
Reise wert. Wer länger Zeit hat, kann
auch
die westlichen Boddengewässer zwischen Ribnitz-Damgarten und
Barhöft noch in die Tour
einschliessen. Auch dort gibt es interessante Häfen, Natur
pur,
und viel zu sehen.
Im
Geschwader zu segeln macht viel Spaß. Man kann sich
viel von den anderen ‚abgucken’. Kleine
Regattaeinlagen sind
kurzweilig. Der
zentrale Standort mit festen Nachtquartieren hat sich bewährt.
Es
vereinfacht die
Organisation und erlaubt neben den Gruppenaktivitäten viel
Individualität.
Author: Thomas Beushausen